Als Naturfotografin bin ich ja ständig auf der Suche nach neuen und unterschiedlichen Landschaften. Regelmäßig reise ich mit Freunden unter anderem auch nach Spanien (oder auf spanische Inseln). Südspanien (Andalusien) sollte es diesmal wieder werden! Doch es ging bei dieser Reise nicht um Küstenstädte oder die bekannten weißen Dörfer im Süden Spaniens. Stattdessen zog es uns in die rauen, fast surreal wirkenden Landschaften zweier spanischer Halbwüsten und zerklüfteter Karstgebiete.
Unsere Hauptziele waren drei Gegenden, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und uns doch gleichermaßen durch ihre raue Schönheit und ihre fotografische Faszination begeisterten.
El Torcal – Stein gewordene Träume
Das erste Ziel war das zerklüftete Karstgebiet El Torcal. El Torcal de Antequera ist ein Naturschutzgebiet auf etwa 1.200 m Höhe, das uns durch seine fast übernatürlichen Felsformationen in den Bann zog. Wind und Wasser haben hier über Millionen von Jahren ganze Skulpturen erschaffen und das Kalksteinmassiv geformt: gestapelte Steinplatten, säulenartige Gebilde und Felstürme, die an versteinerte Wesen erinnern und in den Himmel ragen und Höhlen und Schluchten, die fast senkrecht in die Tiefe fallen. Die Landschaft hier sieht komplett anders aus als die nahe Umgebung!
Die „gestapelten“ Steinplatten faszinierten mich sofort, denn so etwas hatte ich zuvor nicht nicht gesehen. Durch das Naturschutzgebiet führen einige Wanderwege, die wir auch entlangmarschierten, um die Gegend ein erstes Mal näher zu erkunden. Je später es wurde, desto schneller leerte sich der große Touristenparkplatz und als die Stimmung abends dann überhaupt am schönsten war, waren wir komplett alleine vor Ort und konnten uns fotografisch austoben.

El Torcal
Bei diesem einen Abend sollte es natürlich nicht bleiben. Mir war sofort klar, dass ich hier auch die Sonnenaufgangsstimmung einfangen wollte. Und so kamen wir am nächsten Morgen wieder hierher. Im Dunkeln war es gar nicht so einfach sich in diesem Labyrinth zurechtzufinden. An geeigneten Spots bauten wir unsere Stative auf und warteten auf den Sonnenaufgang.
Auch meine Drohne kam an diesem Morgen nicht zu kurz. Die Luftaufnahmen zeigten El Torcal in einem ganz neuen Licht: wie ein geologisches Puzzle, ein Labyrinth aus Steinplatten, das sich scheinbar endlos über den Bergrücken zieht. In der Ferne zeichnete sich die Silhouette der Sierra Nevada ab, eine Traumkulisse!

El Torcal
Wir blieben den ganzen Vormittag noch vor Ort und wanderten einen Bergrücken hinauf. Immer wieder kreuzten Wildziegen unseren Weg, elegant springend zwischen den Felsen. Dieser erste Spot unserer Südspanienreise war schon mal ein voller Erfolg!
Gorafe – Farben der Erde in Südspanien
Unser nächster Aufenthalt war die Gegend um Gorafe, eine Halbwüste in der Provinz Granada. Die Region ist relativ unbekannt und vielleicht ist es gerade diese Unberührtheit, die sie für mich so besonders macht! Die Landschaft wirkt wie aus einer anderen Welt: endlose, farbenreiche Erosionshänge, durchzogen von Schluchten, steilen Felsen und weich geschwungenen Hügeln, deren Farben von hellem Gelb über tiefes Ocker bis hin zu warmen Rot reichen.
Die Gegend fühlt sich an, als wäre man weit weg von Europa. Zwischen schroffen Felsformationen, tief eingeschnittenen Schluchten und endlosen Weiten erinnert die Landschaft eher an die ikonischen Nationalparks im Westen der USA, als an eine Region im Süden Spaniens. Die Farben des Gesteins wechseln je nach Lichtspiel und die Stille der Natur verleiht dem Ort eine fast surreale Atmosphäre. Wer hier unterwegs ist, entdeckt eine faszinierende Mischung aus rauer Wildheit und ungeahnter Schönheit – ein Stück „Wilder Westen“ mitten in Europa!

Gorafe
Durch die Täler schlängeln sich Offroad-Pisten, die mit ihren tiefen Furchen und steilen Anstiegen oft eine echte Herausforderung beim Fahren darstellen und jedes Abenteuergefühl verstärken. Auch mein Puls schoss immer wieder in die Höhe, denn mit einem Allradfahrzeug waren wir nicht unterwegs und in einigen Situationen wurde es durchaus ein bisschen brenzlig.
Luftaufnahmen
Und auch die Halbwüste von Gorafe entfaltete ihre ganze Dimension erst aus der Luft. Die Landschaft wirkte wie ein abstraktes Gemälde: Rhythmische Linien, zerklüftete Falten und Schattenspiele, die das bloße Auge vom Boden aus nicht erfassen konnte. Besonders bei tiefstehender Sonne am Morgen entstanden auf den Luftaufnahmen dramatische Kontraste, die die geologischen Strukturen betonten. Mit der Drohne ließen sich spektakuläre Perspektiven einfangen: endlose Canyons, labyrinthartige Täler und sanft geschwungene Tafelberge, die aus der Vogelperspektive ein fast unwirkliches Muster bildeten. Die Drohnenfotografie machte sichtbar, wie sehr die Landschaft an die Weiten nordamerikanischer Nationalparks erinnert, und zeigte, dass sich hier mitten in Europa eine Szenerie von traumhafter Wildheit und Schönheit verbirgt.

Gorafe
Kilometerweit waren wir auch hier völlig alleine unterwegs und konnten uns auf unsere Fotografie konzentrieren, ohne gestört zu werden. Sehr gerne hätte ich hier noch weitere Tage verbracht, aber unser nächstes Ziel stand auf dem Plan.
Wüste von Tabernas
Weiter ging es für zwei Tage in die Wüste von Tabernas. Diese Wüste befindet sich ungefähr 30 km nördlich von Almería und ist ca. 280 km2 groß. Es herrscht hier ein halbtrockenes Klima, das durch heiße Sommer und milde Winter gekennzeichnet ist. Das Klima dieser Wüste wird auch durch die Nähe zum Mittelmeer und die umliegenden Gebirgszüge Los Filabres und Alhamilla beeinflusst. Das trockene Klima und die mehr als 3.000 Sonnenstunden im Jahr machen die Wüste zur heißesten und trockensten Region auf dem europäischen Kontinent. Die Temperaturen steigen hier im Sommer oft auf über 40 °C und es regnet praktisch nie.
Mit ihrem zerklüfteten Terrain, den dramatischen Canyons und den spektakulären Aussichten hat diese einzigartige Wüste die Fantasie von Filmemachern aus der ganzen Welt angeregt. Tabernas diente daher unzähligen Westernklassikern als Filmkulisse. Doch trotz der Bekanntheit ist die Gegend abseits der Touristenattraktionen ebenfalls überraschend einsam. Das Besondere an Tabernas ist ihre karge Schönheit. Im Gegensatz zur farbintensiven Weichheit Gorafes ist hier alles kantiger, schroffer, windgepeitscht. Beim Anblick der Mondlandschaft fühlt man sich sofort in die Badlands Nordamerikas oder die Wüsten im Norden Afrikas versetzt.
Die trockenen Flussläufe – Ramblas genannt – bilden ein weit verzweigtes Netz aus Pisten, die man befahren kann. Die Wege sind meist breit, aber von Erosion gezeichnet: tiefe Rinnen, kleine Felsvorsprünge, abgerutschte Hänge. Manche Abschnitte sind canyonartig eingeschnitten, andere öffnen sich zu weiten Ebenen. Es war definitiv ein Erlebnis hier durchzufahren und diese Wüste zu erkunden!
Nach diesen Tagen in den trockenen Wüsten sehnten wir uns nach etwas Abwechslung, die wir an der Küste im Naturpark Cabo de Gata-Níjar fanden.
Parque Natural del Cabo de Gata-Níjar in Südspanien
Der Parque Natural Cabo de Gata-Níjar ist ein geschütztes Naturgebiet in Südspanien, in der Provinz Almería. Er wurde 1987 als Naturpark ausgewiesen und umfasst Küste, Meer und Hinterland. Der Naturpark reicht von den Salinen bei Cabo de Gata, die für viele Zugvögel von großer Bedeutung sind, bis zur Sierra de Níjar und schließt auch das vorgelagerte Meer mit ein. Das Gebiet ist geprägt von Vulkangestein, das hier vor Millionen Jahren entstanden ist.
Dunkle Lavafelsen, bizarr geformte Klippen und Bergrücken formen hier die Landschaft. Schöne Sandstrände sind eingebettet in steile Küstenabschnitte. Eine herrliche fotografische Abwechslung zu den Tagen davor!
Wir verbringen Sonnenauf- und -untergänge am Meer und unternehmen auch hier kurze Flüge mit der Drohne.

Cabo de Gata-Nijar
Die Rolle der Drohnenfotografie
Was mich bei meinen Arbeiten immer wieder besonders fasziniert, ist die Rolle der Drohnenfotografie und die Art, wie sie meine herkömmliche Fotografie ergänzt. Mit der Kamera in der Hand tauche ich in kleinere Landschaftsabschnitte und Details ein: die Struktur einer Landschaft, Details daraus, das Funkeln des Meeres im Gegenlicht, die Stimmung eines besonderen Moments. Die Drohne dagegen hebt den Blick und eröffnet mir die große und weite Perspektive. Plötzlich werden Linien, Muster und Formen sichtbar, die vom Boden aus verborgen bleiben. Die geschwungenen Küsten, geometrische Formen und Strukturen verschiedener Landschaftsabschnitte und labyrinthähnliche Canyons. Zusammen entsteht daraus ein vollständiges Bild: Nähe und Weite, Detail und Übersicht. Kamera und Drohne führen so einen stillen Dialog und lassen mich Landschaften auf zwei Ebenen zugleich erzählen, nicht nur visuell, sondern für mich auch emotional.
Nach knappen zwei Wochen verlassen wir Andalusien mit dem Gefühl, neue und faszinierende Gesichter einer Landschaft kennengelernt zu haben, die weit mehr sind als Sonne und Meer: die bizarre Landschaft von El Torcal, die zerklüfteten Schluchten in Gorafe, die karge Wüste Tabernas und die ursprüngliche Küste des Naturparks Cabo de Gata-Níjar.




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