Istanbul

Istanbul – Stadt der Gegensätze

Mein jährlicher Städteurlaub im Frühjahr führte mich diesmal nach Istanbul:

eine Stadt wie aus Tausendundeiner Nacht, eine Stadt wie sie gegensätzlicher nicht sein kann!

 

Ich muss zugeben, als wir vor einigen Monaten beschlossen haben nach Istanbul zu reisen, war ich etwas skeptisch. Istanbul ist eine riesengroße Stadt, in der die Mentalität der Menschen und natürlich auch die Religion ganz anders sind, als ich es bis jetzt von meinen Reisen gewohnt war.

Aber bereits in den ersten Stunden, die wir in Istanbul verbrachten, war ich sehr angetan von dieser überaus interessanten Stadt und den freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Und dies sollte sich auch in den nächsten drei Tagen nicht mehr ändern!

 

Istanbul ist die wohl gegensätzlichste Stadt der Türkei. Im Nordwesten der Türkei gelegen, bildet sie nicht nur die bevölkerungsreichste Stadt des Landes, sondern auch ein wichtiges Zentrum der Wirtschaft und des Handels. Auf der einen Seite ist Istanbul sehr europäisch und modern und auf der anderen Seite streng religiös und reich an historischen und kulturellen Besonderheiten. Als einzige Stadt auf unserem Globus erstreckt sie sich über zwei Kontinente: Der Bosporus teilt die Stadt in einen europäischen und einen asiatischen Teil.

 

Offiziell bewohnen rund 14 Millionen Menschen die Metropole am Bosporus, es heißt jedoch, dass die Faszination für diese Stadt so groß sei, dass tagtäglich so viele Menschen hinzuziehen, dass die Einwohnerzahl inoffiziell bereits viel höher liegt. Ich kann diese Faszination teilen, denn an meine kurze Reise nach Istanbul werde ich mich wohl noch lange zurückerinnern!

Nachdem wir nach der Ankunft am Flughafen endlich die lange Schlange bei der Passkontrolle hinter uns lassen konnten, ging es für uns mit der U-Bahn und einer vollgestopften Straßenbahn Richtung Innenstadt. Kurze Zeit später hatten wir auch schon unser Hotel gefunden. Das Sultanahmet Palace, im gleichnamigen Stadtteil, wird seinem Namen gerecht: ein traumhaftes Hotel in einer Toplage!

 

Sultanahmet – Zentrum der Altstadt

 

Sultanahmet, das Zentrum der historischen Altstadt, ist ein einzigartiges Freilichtmuseum. Auf wenigen Quadratkilometern konzentrieren sich hier die größten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ihre Silhouetten prägen das Istanbul der Bildbände und der Ansichtskarten. Zwischen Moscheen und Museen, Parks und Palästen kreuzen sich die Wege von Reisenden: Sultanahmet steht rund um die Hagia Sophia und die Blaue Moschee ganz im Zeichen des Tourismus!

 

Hier befinden sich auch unzählige enge Gassen, in denen Händler ihre Läden am Morgen öffnen und ständig neue Waren angeliefert werden. Eng geht es mancherorts zu in den Straßen der Stadt! Es ist faszinierend zu beobachten, wie junge Männer schweißgebadet auf kleinen und größeren Fuhrwerken und Schiebkarren Unmengen an verschiedenen Waren akrobatisch durch den Verkehr bugsieren.

 

Istanbuls Moscheen

 

Gleich vor unserem Hotel befindet sich die „Blaue Moschee“ (Sultan Ahmet Camii), die wohl ein Muss für jeden Istanbulbesucher ist und die wir auch gleich am ersten Tag besuchen.

Die Sultan Ahmet Camii, verdankt ihren Beinamen der Dekoration mit blauen Fliesen und gehört mit ihren sechs Minaretten, anstatt der üblichen vier, zu den imposantesten Bauwerken neben der Hagia Sophia. Während der Gebetsstunden kommen viele Moslems hierher um zu beten. In der Moschee liegt ein dicker, weicher roter Teppich und riesige Leuchter lassen den Innenraum in einem schummrigen Licht erscheinen. Der Gebetsbereich ist durch ein Holzgeländer abgetrennt, als Besucher darf man sich nur dahinter aufhalten.

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Überquert man den großen Platz und den Sultanahmet-Park neben der Blauen Moschee, kommt man zur Hagia Sophia (Ayasofya Müzesi). Die gut 1.400 Jahre alte Hagia Sophia ist eine der prägenden Erscheinungen der Istanbuler Silhouette mit ihrem rötlich schimmernden Mauerwerk und den vier Minaretten. Als wir über den Platz spazieren, hören wir zum ersten Mal den Muezzin lautstark zum Gebet rufen. Dieser Ruf erfolgt fünfmal täglich zu bestimmten Uhrzeiten. Besonders gewöhnungsbedürftig für mich ist der erste Muezzin-Ruf des Tages zu Sonnenaufgang, während unseres Aufenthaltes um fünf Uhr in der Früh – mitten in der Nacht also! Und was heißt da überhaupt DER Muezzin-Ruf, es sind nämlich mindestens gefühlte Fünfzig, die von allen Minaretten der näheren Umgebung herunterrrufen, verstärkt mit Lautsprechern in alle vier Himmelsrichtungen.

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Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen schlendern wir durch die Straßen bis zum Gülhane Park, der neben dem Topkapi-Palast liegt. Tulpen in allen erdenklichen Farben blühen hier und überall wohin man blickt findet man wunderschön gepflegte Rasen- und Blumenbeete vor.

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Fast an jeder Ecke gibt es kleine Verkaufsstände mit gegarten Maroni, gegrillten Maiskolben oder die für Istanbul typischen Sesamkringel. Begleitet vom verlockenden süßen Geruch der gegrillten Leckereien führt uns unser Weg weiter durch enge Gassen entlang bis zur Konstantinsäule und zum Beyazit-Platz. Dieser Platz, der zwischen dem Großen Basar und der Universität von Istanbul liegt, ist einer der schönsten und belebtesten der ganzen Stadt. Die Beyazit-Moschee (Beyazit Camii) beherrscht den gleichnamigen Platz, auf dem oftmals mehr Tauben umherflattern als Menschen spazieren gehen. Was in anderen Städten als Plage bezeichnet wird, genießt in Istanbul das Wohlwollen der Bevölkerung. Viele Menschen sind überzeugt, das Schicksal gütig stimmen zu können, wenn sie die Tauben mit Körnern oder Brotstücken füttern.

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Nicht weit davon entfernt befindet sich die Süleymaniye-Moschee (Süleymaniye Camii), die wir auch besuchen möchten. Für Sultan Süleyman den Prächtigen wurde die größte Moschee der Stadt gebaut, die sich auf dem dritten Hügel des alten Istanbul erhebt. Im Innenraum fällt Licht durch 138 farbige Fenster. Würdevoll überblickt die Moschee mit ihren vier Minaretten das Goldene Horn. Der Gebetsraum ist 3.500 m2 groß, vier massive Säulen stützen die 27 m breite Hauptkuppel. _DSC6686

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Schiffsfahrt Bosporus

Der Bosporus ist eine der meistbefahren Meerengen der Welt. Eine Schiffsfahrt darauf zählt wohl zu jenen Aktivitäten, die jeder Tourist während seines Istanbulaufenthaltes unternimmt. Und man entkommt dieser Tour auch nur schwer, wird man bereits in der Altstadt alle paar Meter von einem anderen Verkäufer darauf angesprochen, der diese Schiffsfahrt mit allen erdenklichen Mitteln und mit jeder Menge Charme anpreist.


Lebhaft geht es an den Landungsbrücken von Eminönü – direkt bei der Galatabrücke – zu, wo die Schiffe ihre Touren starten. Die Auswahl an Bootstouren ist ziemlich groß und wir beschließen eine Tour mit englischer Ansage zu buchen. Doch statt der erhofften englischen Touristenansage an Bord kriegen wir türkische Popmusik in voller Lautstärke zu hören! Macht nichts – wir nehmen es gelassen und versuchen uns an den Gebäuden der beiden Bosporusufer selbst zu orientieren.

Ein paar Mal wechseln wir zwischen der europäischen und der asiatischen Seite und passieren u.a. den Dolmabahçe-Palast und zwei Brücken, bevor es wieder retour geht. Die Sicht auf die Altstadt ist traumhaft. Majestätisch ragen die vielen, wie Bleistifte angespitzten, Minarette in den Himmel und prägen das Stadtbild von Istanbul – eine wirklich wunderbare Ansicht!

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Das Basarviertel

 

Der Große Basar, der ägyptische Basar/Gewürzbasar und die Märkte drum herum sind Istanbuls Epizentrum der Geschäftigkeit. Was wie ein orientalisches Wunderland aussieht, ist normaler Shoppingalltag in der Millionenstadt!

 

Das Basarviertel ist ein quirliges Durcheinander, ein Tohowabohu aus verwinkelten Gassen und scheinbar orientierungslosen Menschen. Gleichzeitig zählt es zu den ältesten und malerischsten Ecken Istanbuls. Zu byzantinischer und osmanischer Zeit galt das Basarviertel gar als eines der wichtigsten Handelszentren der Welt. Und noch heute kann man nirgendwo besser in Istanbul die Gerüche orientalischer Geschäftstätigkeit schnuppern.

 

Großer Basar (Kapali Çarşi)

Endlos lange und verschlungene Gänge in überdachten Gewölben mit kleinen Läden für Stoffe und Taschen machen den größten Basar in Istanbul zu einem echten Shoppingparadies. Fixe Preise gibt es kaum, sodass man das Feilschen hier perfektionieren kann.

Seine gigantischen Ausmaße von fast 31 ha und ca. 3.600 Läden machen den Besuch zu einem einzigartigen Erlebnis. Teppiche, Keramik, Lederwaren – alles ist in Hülle und Fülle vorhanden und wird lautstark von den Händlern angeboten.

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Ägyptischer Basar/Gewürzbasar (Mısır Çarşısı)

Noch interessanter als den Großen Basar fand ich den Ägyptischen Basar, auch Gewürzbasar genannt. Dieser Basar ist ein orientalischer Basar, wie man ihn sich vorstellt. Er wurde im 17. Jahrhundert gegründet. Ein verführerisches Potpourri aus exotischen Gewürzen, Tee, orientalischem Naschwerk, Käse und Dörrfleisch wartet hier auf den Besucher. Händler haben ihre Waren kunstvoll aufgeschichtet: Süßigkeiten, Kräuter, Gewürze aus aller Herren Länder, türkischer Honig, Nüsse, Sonnenblumen-, Pistazien- und Kürbiskerne, Trockenobst usw. – eine Freude für die Geruchssinne! Es wird gehandelt und gefeilscht, eben typisch orientalisch und für uns faszinierend anzusehen!

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Stadtteil Beyoğlu

 

 Über die Galatabrücke, an der viele Angler ihr Glück versuchen, gelangen wir in den Stadtteil Beyoğlu. Er ist das Zentrum des westlich geprägten Istanbul und gehört mittlerweile auch zu den Wahrzeichen des modernen Istanbuls.

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Wir marschieren zu unserem ersten Ziel in dieser Gegend, den Galata-Turm (Galata Kulesi). Der Turm wurde 1348 erbaut und ist 62 m hoch. Von oben herab hat man eine wundervolle Sicht auf das Goldene Horn und die Altstadt.

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Noch bekannter als der Turm jedoch ist hier wohl die große Einkaufsstraße Istiklâl Caddessi, die bis zum Taksim-Platz  führt. Außer in den frühen Morgenstunden herrscht hier den ganzen Tag dichtes Gedränge. In der Fußgängerzone und in den unzähligen ruhigen Nebengassen findet man schicke Läden, viele Szenelokale, elegante Privathäuser und einige Straßenmusiker, die diesen Stadtteil zu einem einzigartigen Ort machen. Der Einkaufsstraße entlang fährt eine historische Straßenbahn, die sich immer wieder laut bimmelnd ihren Weg durch die Menschenmassen freimacht.

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Die drei Tage vergehen wie im Flug und schon sitzen wir beim letzten Frühstück, das wir auf der Dachterrasse des Hotels bei traumhaftem Frühlingswetter genießen. Unser letztes geplantes Ziel in Istanbul ist der Dolmabahçe-Palast, den wir ganz gemütlich nach einer Runde mit dem Hop-On-/Hop-Off-Bus erreichen. In welch pompösen Luxus die osmanischen Herrscher lebten, demonstriert der Dolmabahçe-Palast am Bosporusufer mindestens genau so gut wie der Topkapi-Palast, nur dass man am Eingang des Dolmabahçe-Palasts nicht ganz so lange in der Warteschlange steht wie beim Topkapi-Palast. Wer den Palast besichtigen möchte, muss sich jedoch einer 45-minütigen Führung anschließen. Seine Räumlichkeiten zeigen noch weitgehend ihr ursprüngliches Interieur. Der Palast war einst der Sultanspalast des letzten Sultans und der Regierungssitz von Kemal Atatürk, den Gründer der Republik Türkei.

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Nach einem letzten kleinen Mittagssnack in einem Gastgarten mit Blick zur Blauen Moschee heißt es Abschied nehmen – von unserem Kurzaufenthalt in dieser wundervollen Stadt!